Die ersten Gehversuche

Arbeit war für mich schon früh normal und da man zu meiner Zeit erst mit 14 einen Ferienjob annehmen konnte, habe ich mich mit 12 schon „selbständig“ gemacht und etwa 20 Stunden pro Woche Nachhilfe gegeben. Mit 15 war ich der selbständige Experte für das Frisieren der Mofas aus der Nachbarschaft und mit 17 richtete ich bei mir zuhause eine eigene Bar ein und hatte dort jeden Abend zwischen 5-30 Kunden.

Dennoch wäre ich damals nie auf die Idee gekommen, Unternehmer zu werden. Warum? Weil ich damals – passend zum Zeitgeist Ende der 70er/Anfang der 80er – glaubte, dass das alles Kapitalisten und Ausbeuterschweine waren. Und das wollte ich nicht sein. Ich wollte frei sein! Und was Eigenes machen. Deswegen ließ ich mich nach meinem Philosophie-Studium (mit Soziologie-Abschluss) Anfang der 90er Jahre erst mal an der Uni für ein Drittmittelprojekt einer Bundesbehörde anstellen. Also um frei zu sein, für eine Bundesbehörde arbeiten. Krass, was man sich für krudes Zeug im Kopf zusammen basteln kann 😉

OK, schon bei der Einstellung hatte ich das merkwürdige Gefühl, dass das mit der Freiheit so nicht richtig sein kann: Mir wurde nämlich bereits im Voraus mitgeteilt, welches Ergebnis bei meiner wissenschaftlichen Untersuchung heraus kommen solle. Nach 2 Jahren hatte ich die Schnauze voll davon und schlug mich fortan als Freelancer für alles Mögliche durch: CD-ROM-Programmierung, Video-Schnitt, Grafik usw. Da verdiente ich zwar kaum Geld, aber immerhin hatte ich viel mehr Freiheiten wie vorher.

Blue orange Internet GmbH

Und nach diesen zwei Jahren war der ideologische Müll über die bösen Unternehmer weitestgehend entsorgt, so dass ich mit 33 Jahren am 10. Januar 1997 mein erstes Unternehmen gründete: die blue orange Internet GmbH.

Programmieren konnte ich super. Und was mich von anderen Programmierern unterschied, waren 2 Dinge: Erstens musste man sich nicht in Programmiersprache mit mir unterhalten, sondern konnte auch natürliche Sprache nutzen. Zweitens galten für mich Vereinbarungen: Wenn also eine Software zu einem bestimmten Termin mit bestimmten Funktionen fertig zu sein hatte, dann war sie da fertig. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass es irgendwie anders sein könnte. Selbst dann nicht, wenn ein Kunde seine Anforderungen zu spät oder zu unklar formulierte, denn ich sah es als meine Verantwortung an, den Kunden dazu zu bringen, diese Infos rechtzeitig anzuliefern. Damit hatte ich Erfolg – obwohl ich nicht den geringsten Plan vom Unternehmersein hatte.

Bis September 2001 waren wir dann 12 Leute. Und wir bekamen sogar ein Investment eines Risikokapitalgebers. Das war insofern etwas Besonderes, weil wir mitten im Niedergang der New Economy plötzlich Kohle bekamen und vor allem weil wir sicher eines der ganz wenigen Internet-Unternehmen waren, das auch Gewinne machte. Damals war ja eher die Höhe der Burn-Rate das entscheidende Investment-Kriterium. Ach ja, und da Risikokapitalgeber mit Risiko nun so gar nichts zu tun haben, sondern sich eher wie Lemminge verhalten, mussten wir vor dem Investment unser wirklich innovatives Produkt einstampfen…

Immerhin hatten wir jetzt Kohle und somit Anfang 2002 rund 30 Mitarbeiter. Und jetzt kam langsam zum Tragen, dass ich vom Unternehmersein nicht wirklich viel verstand. Wenn mir das allerdings jemand gesagt hätte, hätte ich ihn ausgelacht: wir hatten ja Gewinne gemacht und wir hatten fett Kohle akquiriert. Dummerweise hatte ich mit dem Investment unsere vorherige, funktionierende Strategie über den Haufen geworfen. Und ich versuchte, die 30 Mitarbeiter so zu führen wie vorher die 12 Mitarbeiter. Mit noch mehr Arbeitseinsatz. Ganz schlechte Idee. Ruckzuck war ich bei 110 Stunden pro Woche. Der Rest war dann nur noch die Folge: die Umsätze brachen massiv ein. Die Mitarbeiter stoben auseinander und bekämpften sich. Die Unzufriedenheit der Kunden stieg in vorher nicht gekannte Höhen. Und die Risikokapitalgeber wollten jede Woche neue Planzahlen, so dass keine Zeit mehr blieb, die Probleme anzugehen.

Am 23. Mai 2003 meldete ich Insolvenz an. Privat hatte ich aufgrund von Bürgschaften und privaten Darlehen sechsstellig Schulden. Dummerweise ist man nach über 6 Jahren Unternehmersein für den normalen Arbeitsmarkt versaut und so konnte ich mir nichts anderes vorstellen als wieder ein Unternehmen zu gründen.

SI Projects GmbH

So gründete ich einen Tag später mein zweites Unternehmen. Immerhin hatte ich so viel Demut gelernt, dass ich zu meinen Fehlern stand. Und ich wollte es besser machen. So begann ich in dieser Zeit wie ein Berserker zu lesen (100-150 Bücher pro Jahr), besuchte Seminare (5-10 pro Jahr), nahm mir einen Coach (es sind mittlerweile 8 Coaches geworden – wobei mich witzigerweise viele, die behaupten, mich gecoacht zu haben, nie gecoacht haben. Manchmal ist es halt einfacher, durch plumpe Behauptungen auf einen Erfolgszug aufzuspringen. Ob das auf Dauer funktioniert, habe ich meine Zweifel…).

Nach eineinhalb Jahren funktionierte das Unternehmen gut, wir waren 5 Leute und ich hatte meine Schulden los. Damals kamen auch erste Unternehmer auf mich zu und wollten gecoacht werden. Es war also der Bedarf des Markts. Zugleich merkte ich, dass mir das Coaching immer mehr Spaß machte. Und zwar mehr Spaß als Software.

Nun sind Fokus und Konsequenz Schlüsseleigenschaften von guten Unternehmern. Aus diesem Grund entschied ich – trotz des Risikos – die Firma SI Projects 2007 zu verkaufen und mich zu 110% auf Unternehmercoach zu fokussieren. Mein damaliges Umfeld hielt mich für irre. (Deswegen ist mein damaliges Umfeld auch heute nicht erfolgreich).

Unternehmercoach GmbH

Im August 2007 gründete ich die Unternehmercoach GmbH. Bereits zu Beginn war klar, dass es ein großes Unternehmen werden sollte, das perspektivisch ohne mich funktioniert. Deswegen beschränkte ich zum Beispiel die Menge meiner Fachkraftaufgaben (also coachen oder Seminare halten) auf 50 Tage pro Jahr. Die Idee vieler Speaker möglichst viele Vortragstage, am besten über 200 pro Jahr runter zu reißen, ist mir völlig fremd.

Seit damals ist ein ganzes Unternehmercoach-Universum entstanden. Wir sind (Stand Januar 18) 25 Mitarbeiter und Coaches. Wir haben dazu beigetragen, die Firmen einer fünfstelligen Anzahl von Unternehmern umzukrempeln und haben damit, wenn man die Mitarbeiter und die Kunden dieser Unternehmen mit einrechnet, das Leben von über 1 Mio. Menschen beeinflusst. Viele Kunden von uns wurden selbst Leuchtturm-Unternehmer und wurden zum Beispiel bester Arbeitgeber Deutschlands oder gewannen Innovationspreise.

Die einzigartige Unternehmercoach-Community ist ein Umfeld, in dem Unternehmer gemeinsam wachsen können. Sie zeichnet sich durch absolute Offenheit und den Geist der gegenseitigen Unterstützung aus. Jeder der Unternehmer darin ist auf dem Weg. Er trainiert sich selbst und seine unternehmerischen Fähigkeiten. Er unterstützt andere. Und zugleich setzen alle auf das Prinzip Selbstverantwortung.

Aufgrund unseres Beitrags und des Nutzens, den wir bringen und sicher auch aufgrund der Qualität meiner 3 Bücher (Titel und Links) wuchs Unternehmercoach im Lauf der Jahre nahezu jedes Jahr zwischen 20-120 Prozent. Und so nannten mich bereits 2009 die Vertriebsnachrichten und Buch Aktuell den „bekanntesten Unternehmercoach Deutschlands“.

Unternehmercoach Event GmbH

Im Jahr 2012 beschloss ich, noch das eine oder andere Leuchtturm-Event zu organisieren. Dafür gründete ich die Firma Unternehmercoach Event GmbH. Dieses Unternehmen organisierte zum Beispiel im März 2014 das Event „Light the Fire“ (Link) mit dem Ausnahmeunternehmer Richard Branson (Foto von mir und ihm) in Hamburg. 1.300 Unternehmer erlebten an 3 herausragenden Tagen Speaker wie Bodo Schäfer oder mich sowie Unternehmer wie Richard Branson, Titus Dittmann und viele andere.

Im Sommer 2015 und 2017 fuhren wir jeweils mit 20 Unternehmern zu einem absolut ungewöhnlichen Führungsseminar 3 Wochen an den Grand Canyon (Link zum Video von Severine). 2 Wochen Rafting auf dem Grand Canyon – Selbsterfahrung – Abenteuer – Arbeit am eigenen inneren Status – Entwicklung der eigenen Führungsfähigkeit.

Und im Herbst 2019 werden wir mit wieder 20 Unternehmern 3 Wochen nach Nepal fliegen. 2 Wochen Trekking im Mount-Everest-Gebiet und 1 Woche Seminar. Scherpunkt wird Selbstführung sein. (Link)

Mit diesen Events schaffen wir Once-In-a-Lifetime-Experiences für die die beteiligten Unternehmer. Und ich selbst bin unglaublich dankbar, dass ich mit dem, was mich selbst anspricht auch anderen Gutes tun kann.

Die Eckpunkte meines Unternehmerseins

Für mich der unverrückbare zentrale Eckpunkt meines Unternehmerseins (und Lebens) ist Selbstverantwortung. Klingt einfach, ist es aber nicht. Selbstverantwortung heißt, auch in schlechten Situationen (Kunde liefert nicht, Insolvenz, Armut) die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und nichts an andere zu delegieren. Selbstverantwortung heißt aber noch mehr: Ich bin verantwortlich für das, was ich denke und fühle. Und zwar zu jeder Zeit! Wenn ich mich schlecht fühle oder wütend bin, dann sind nicht andere schuld, sondern ich selbst: Schließlich erzeugt nicht das Ereignis meine Gefühle, sondern meine Wahrnehmung des Ereignisses. Das ist radikal, aber genau diese Radikalität für zu Ergebnissen. Alles andere führt zu Gejammer.

Der nächste Eckpunkt ist Fokus und damit Commitment. Ich weiß, dass es erfolgreiche Multi-Entrepreneure gibt. Fast alle wurden zuerst mit einem Unternehmen erfolgreich. Voller Einsatz bringt vollen Erfolg. Halber Einsatz bringt gar keinen Erfolg. Natürlich gibt es Zeiten, wo man durchschnaufen und sich mal erholen muss. Aber dann geht es wieder um Commitment.

Der dritte Eckpunkt ist Training. Sportler trainieren 90% und sind 10% im Wettkampf. Bei den meisten Unternehmern ist es bestenfalls umgekehrt. Die meisten schaffen noch nicht mal das! Eigenschaften wie Selbstverantwortung, Fokus und Commitment müssen immer wieder trainiert werden. Idealerweise 50% der eigenen Zeit. Das schaffe ich auch noch nicht, aber ich nähere mich an.

Weitere Eckpunkte sind Umfeld, Risiko und Abenteuer sowie Demut und Dankbarkeit. Im richtigen Umfeld wird man permanent gechallenged und zugleich auch unterstützt. Das betrifft nicht nur praktische Aufgaben, sondern vor allem auch die eigenen Glaubenssätze, das Selbstbild und die innere Haltung. Selbst im stabilsten Unternehmen muss man immer wieder Risiken eingehen und sich Abenteuern stellen. Nur so wächst man und versetzt sich permanent in die Lage, auch mit unerwarteten Situationen umgehen zu können. Demut und Dankbarkeit ist schließlich eine wichtige Haltung, um nicht abzuheben und weiter auf seine Kunden orientiert zu bleiben. Und diese Haltung gibt einem auch bei den unvermeidlichen Rückschlägen Energie.